Packende Spielfreude bei Barther Tagen der Kammermusik

Sie sprechen sich herum. Immer mehr. Immer weiter. Dabei sind die Kammermusiktageim Barther Ringhotel "Speicher"in der Region längst kein Geheimtipp mehr. Bereits zum siebten Mal laden Martin Panteleev und der Art Club als Veranstalter in diesem Jahr zum einwöchigen Festival ein. Der bulgarische Konzertmeister, Geiger und Komponist wartet mit einer bestechenden Mischung aus bekannter Klassik und selten Gehörtem, Besetzungsformen von Duo bis Kammerorchester, von bewusster Traditionspflege und lokaler Nachwuchsförderung auf. Über 220 Gäste wohnten am Freitagabend dem Eröffnungskonzert Lida Panteleev (Klavier)und ihr Mann Martin (Violine) mit den "Hamburger Solisten" unter der Leitung von Martin Panteleev bei. Der restlos ausverkaufte Auftakt endete mit gleich drei Zugaben unter stürmischem Applaus. Antonio Vivaldis Concerto grosso für zwei Violinen in d-Moll op. 3, Johann Sebastian Bachs Doppel-Violinkonzert in d-Moll BWV 1043 und Wollgang Amadeus Mozarts Sinfonia Konzertante für Violine, Viola und Orchester KV 364 rissen mit. Nicht allein dank der zupackenden Spielfreude der Solisten Dana Anka (Violine), Ivo Krastev (Viola) und Martin Panteleev. Denn Letzterer vertiefte das Erlebnis zwischen den Programmpunkten mit erläuternden Beispiele. Auch das Recital der Eheleute Panteleev am Samstag fand starken Zuspruch. Der Violinist und die Pianistin Lida Panteleev erweiterten das angekündigte Programm schlichtweg um eine Violinsonate von Bach, die sie Beethovens Frühlingssonate in F-Dur op.24 voranstellten. Manuel de Fallas Suite Populaire Espagnole, vor allem aber die in der Kammermusikbislang zu Unrecht geschmähten' Fangos des Argentiniers Astor Piazolla gerieten unter ihren Händen zu einer Ohrenweide.

UWE ROSSNER

Ostsee Zeitung 31. März 2008

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Beifall für verrückte Musik-Ideen

Kammermusiktage 2004 mit Marathon-Konzert erfolgreich beendet

Barth hat recht viel zu bieten. Neben manchen historischen Baudenkmälern, einer
umwerfenden Natur und einem eigenen Theater nun auch ein Mekka für Freunde der Kammermusik.
Barth. Seit heute ist er im Urlaub. "Thailand heißt mein Reiseziel", verriet Martin Panteleev der OZ,nachdem er sich am Sonnabend ob der Begeisterung gerührt von seinem Publikum verabschiedet hatte.Die von dem bulgarischen Geiger, Komponisten und Dirigenten sowie dem "Speicher-Hotel" in Barth als Sponsoren  organisierten Kammermusiktage 2004 waren mit einem fast vierstündigen Franz-Schubert-Marathon zu Ende gegangen.
In den vergangenen sechs Monaten reiste der 28-Jährige mit dem jungenhaften Charme durch die ganze Welt: In seinem Heimatland Bulgarien dirigierte er zum Nationalfeiertag , am Bodensee unterrichtete er eine Violin-Master-Klasse, mit seinem Entdecker Justus Franz und der "Philharmonie der Nationen" faszinierte der presgekrönte Panteleev das Publikum in vielen Ländern. Nach Barth kam er schon zum dritten Mal als Botschafter der Kammermusik und als künstlerische Leiter. Dem Prinzip der Nationen-Philharmonie blieb er jedoch auch hier treu: Es musizierten talentierte Künstler , deren Heimatorte in verschiedenen Ländern liegen, deren gemeinsames Zuhause aber die Musik ist.
Das Interesse an der Vielfalt der Kammermusik beeindruckte. Fast immer war der Saal im Speicher-Hotel bis auf den letzten Platz gefüllt. Es ist eine ganz eigene Atmosphäre, die diese Tage auszeichnete. Geprägt von großen Nähe und großen Vertrauen zwischen Musikern und Publikum, vom beidseitigen Genuss der Musik im architektonisch mit Stahl, Holz und Glas veredelten Speicher-Backsteinbau. Eigens angereiste Panteleev-Fans aus ganz Deutschland und viele Barther ließen sich hingebungsvoll auf die Musik ein. Und das, obwohl Panteleev seinen Zuhörern einiges zumutete.Verrückte Idee, sagte er zum Sonatenabend, bei dem er den Spagat zwischen Hindemith, Debussy, Mozart und Brahms wagte. Verrückte Ideen auch das Percussion-Konzert zu Beginn des diesjärigen Festivals oder der Ausflug in die elektronische Musik. Und dann der Marathon am Sonnabend...
Der begeisterte Schlussapplaus galt nicht nur der engagierten und virtuosen Aufführung der Werke. Er bedeutete auch: Danke, Martin Panteleev.Danke für die Kammermusiktage. Und er hieß: Wir sehen uns wieder-nächstes Jahr in Barth.
Von Hans-Joachim Meusel, Uve Roßner und N. Vogler

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10 Jahre "Kammermusiktage" Barth

Klangvolle Pracht und Standing Ovations bei 10. Barther Kammermusiktagen.Über 430 Gäste erleben am vergangenen Wochenende den Auftakt im Ringhotel „Speicher“. An herzlichen Glückwünschen, bewegenden Konzerten und viel Prominenz mangelt es nicht. Im Gegenteil.

Ein roter Teppich war nichtnötig. Im ersten zweistelligen Jubiläumsjahr der Kammermusiktage gehört es zum guten Ton, bei der Eröffnung dabei zu sein. Bereits am ersten Tag des Kartenverkauf es war der Galaabend im Speicher zur Hälfte verkauft. Aus Heidelberg, Gießen, Bremen, Hamburg, Berlin, Greifswald, Güstrow und Schwerin reisten Musikliebhaber in diesem Jahr an. Vertreter der Politikund Wirtschaft nahmen sich für den üppigen Auftakt Zeit.„Die regionale Verwurzelungund die überregionale Strahlkraftsind die Stärke der Barther Kammermusiktage“, schrieb der terminlich verhinderte Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seinem Grußwort. Sie seien ein herausragendes Beispiel in der bundesweiten Kulturlandschaft und trügenviel zur Identität der Region bei.„Es ist beeindruckend, wie dasFestival anzieht“, stellte Bürgermeister Stefan Kerth fest. SeinenDank und beste Glückwünscheüberbrachte er dem Art-Club unddessen künstlerischen Leiter, Martin Panteleev. Das Festival habe ursprünglich eine Nische gefunden und sie erfolgreich nach vorn gebracht. Und: „Es ist die zarteste Versuchung seitdem es Kammermusikgibt.“„Es ist ein bewegender Moment“, äußerte Martin Panteleev.„Ich hätte es mir nicht erträumt,dass sich das die Kammermusiktage so entwickeln würden. Wir sindsehr glücklich, es soweit gebrachtzu haben.“ Er und die Vorsitzendedes Art-Club, Christel Bork, erhielten jeweils den goldenen Notenschlüssel für ihren musikalischenund organisatorischen Einsatz.Martin Panteleev fügte hinzu: „Wir haben es alle zusammen aufgebaut.“ Damit würdigte er auch den herzlichen Zuspruch seitens der immer weiter anwachsenden Hörerschaft. Fand Antonio Vivaldis Concerto Grosso fürzwei Violinen in d-Mollop. 3 Nr. 11 viel Anklang, so erhielt Derek Han als Solist von Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in A-Dur KV 414 für seinen frischen, sanglichen und vielseitigen Anschlag viel Applaus und etliche Bravorufe. Nicht minder glanzvoll präsentierte sich Rusalina Mochukova. Aufgrund ihrer erkrankten Kollegin stellte die Sopranistinihr Programm kurzfristig von Pergolesis „Stabat Mater“ auf einen beschwingenden Operettenabendum. Damit debütierte die begleitende Pianistin Lenny Pargavelova als Arrangeurin. Sie schrieb die geliebten Melodien von Robert Stolz undFranz Léhar angemessen um. AuchGeorge Gershwins Klassiker „Summertime“.„Der Speicher ist der passende  Ort für dieses Festival“, fand Ruth Lenz nach ihrem Deutschlanddebüt in Barth. Sowohl das aufmerksame und enthusiastische Publikumals auch der Auftritt mit ihren Musikerkollegen im Rampenlicht fanddie Konzertmeisterin des RenoChamber Orchestra (USA) großartig.„Es ist etwas Besonderes“, stimmte ihr Derek Han zu. Bereits zum dritten Mal gastierte der international renommierte Pianist in der Boddenstadt. „Wir spüren dieEnergie der Gäste während des Spielsund genießen diesen engen Kontakt sehr.“ Das Festival lebe den Gedanken der Kammermusik: mitFreunden für Freunde zu spielen.„Die Kammermusiktage sind einegute Tradition geworden. Ich wünsche ihnen viele weitere wundervolle musikalische Erfahrungen.“Diese ermöglichte er allen im Speicher Versammelten am zweiten Abend, am Sonnabend. Zusammen mit Ruth Lenz und Julia Krasteva bewies Han bestens, dass Franz Schuberts zweites Klaviertrio in Es-Dur D 929 von den Stühlen reißen kann. Im Verklingen des letzten Tones erhoben sich etliche begeisterte und klatschende Konzertgänger. Ruth Lutz zartes, fast zerbrechliches Violinspiel, Julia Krastevas wunderbar runder und voller Celloton und Derek Hans packendes Spiel am Flügel sorgten für einen Ohrenschmaus. Mit MartinPanteleev und dem Bratscher Ivo Krastev gelang danach eine bereichernde Darbietung von Antonin Dvoráks bekanntem Klavierquintett in A-Dur op. 81

Uwe Roßner

Ostsee Zeitung, 28. März 2011

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